Sport aus Berlin

Abb.: Fotolia / doublebubble_rus

Die sportliche Sicht auf die vergangenen Monate ist deprimierend. Nur wenige Spitzen-Vereine durften sich in den professionellen Ligen tummeln. Der riesige Amateurbereich fristete einen verordneten Dornröschenschlaf. Wie die Zukunft aussieht, ist in beiden Abteilungen völlig unklar.

 

FUSSBALL

Lars Windhorst wird derzeit auf seine Leidensfähigkeit geprüft. Der oberste Geldgeber von Hertha BSC pumpt unablässig Finanzen in den Traditionsverein. Und der Club dankt es mit einer Niederlage in der Fußball-Bundesliga nach der anderen. Die hochfliegenden Plänen mit Angriff auf die nationale Spitze und Pläne für die Champions League verwandelten sich in einen Abstiegskampf und permanente Sorgenfalten. Der erst hoch gelobte Trainer Bruno Labbadia wurde entlassen. Dafür kroch der Club bei dem zuvor geschassten Ur-Herthaner Pal Dardai zu Kreuze und beförderte den Ungarn zum zweiten Mal zum Chef-Coach. Auch der überforderte Manager Michael Preetz erhielt als Quittung für seine wilde Personalpolitik den Laufpass, seinen Posten nimmt vorübergehend der Ex-Nationalspieler Arne Friedrich ein. Als Not-Verpflichtung für die Mannschaft soll es der ehemalige Auswahlspieler Sami Khedira richten. Der fast 34-Jährige war preiswert zu haben, saß zuletzt bei Juventus Turin nur noch auf der Tribüne statt wenigstens auf der Bank. Das 3:0 gegen Leverkusen Mitte März hielt Hertha nur hauchdünn über dem Strich zur Abstiegszone. Ob der 44-jährige Westfale Windhorst, der seinen Wohnsitz in London hat, mehr als die trotz Corona-Krise zugesagten 374 Millionen Euro an Hertha BSC überweist?

Vielleicht sollte sich der Computer-Unternehmer dem Ortsrivalen 1. FC Union zuwenden. Der Neuling der vergangenen Saison sorgt auch in leeren Stadien für Furore und hat die Weichen zeitig so gestellt, dass der Abstiegskampf auf andere Gleise verlagert wurde. In seiner unaufgeregten Art hat der Schweizer Trainer Urs Fischer seine Profis im Griff, managt kleinere Hänger in Form von torlosen Partien ohne großes Aufhebens und passt nebenbei auf, dass im Umfeld der Wuhlheide keiner einen Höhenkoller bekommt und vom Europapokal träumt.

 

HANDBALL

„Alles neu – jetzt greifen wir die Großen an!“ Nach diesem Motto starteten die Füchse Berlin in die Bundesliga. Stefan Kretzschmar als Sportvorstand und Jaron Siewert als neuer Trainer konnten sich nach einem leichten Holperstart auch über eine schwungvolle Phase bis zum Jahreswechsel freuen und erneuerten während der WM-Pause im Januar die Kampfansage gegen die Überflieger aus Kiel und Flensburg. Drei schallende Backpfeifen hintereinander in Form von drei Niederlagen ließen die Stimmen Ende Februar jedoch verstummen und der Angriff auf die Clubs von der Ostsee wird wieder einmal um mindestens ein Jahr verschoben. Da ist es auch kein Trost, dass in der kommenden Saison vielleicht zwei Füchse-Mannschaften in der Bundesliga spielen. Die Frauen des Vereins stehen derzeit auf Platz 1 der 2. Liga und vor dem Aufstieg ins Oberhaus.

 

EISHOCKEY

Der Start der Eisbären Berlin in die Saison der Deutschen Eishockey-Liga war einer der schlechtesten der Geschichte. Kurzzeitig verunzierte der siebenmalige Deutsche und 15-malige DDR-Meister sogar das Ende der Tabelle. Der Posten des kanadischen Trainers Serge Aubin schien unmittelbar vor einer Neubesetzung zu stehen. Dann fing sich die Mannschaft um Kapitän André Rankel jedoch und reihte sich erwartungsgemäß ein in den Kampf um die direkte Qualifikation für die Playoffs. Die Fans jedenfalls sind überzeugt, dass ihre „Dynamos“ – in Anlehnung an die Vergangenheit ist das immer noch der Schlachtruf auf den Rängen – sogar um den Titel mitspielen. Selbst in den 26 Vorrundenpartien sind die mehr als 14 000 Karten für die Halle am Ostbahnhof oft vergriffen.
 
 

BASKETBALL

Alba Berlin ist in die Zeit von vor 20 Jahren versetzt. Damals bestimmte die Mannschaft unangefochten die nationale Liga, wurde aber im Vergleich mit den europäischen Spitzen-Mann-
schaften permanent gewogen und für zu leicht befunden. So marschieren die Hauptstädter trotz einiger unbedeutender Wackler auch dieses Jahr durch die Bundesliga wie das sprichwörtliche Messer durch die heiße Butter, doch auf europäischem Parkett ist es genau umgekehrt: Wenigen nicht zu Buche schlagenden Erfolgen stehen eine ganze Menge Niederlagen gegenüber. Für Deutschland ist Alba in dieser Saison zu stark – für Europa aber erneut zu schwach.

 

VOLLEYBALL

Die Berlin Volleys begannen die Saison mit einem Paukenschlag: Schon im Pokal-Viertelfinale schieden sie Ende des vergangenen Jahres in eigener Halle nach einer 2:0-Führung mit 2:3 Sätzen gegen den Brandenburg-Rivalen Netzhoppers KW Bestensee aus, der sich bis ins Endspiel vorkämpfte. Die Revanche beim hart erkämpften 3:1-Auswärtssieg in der Liga war für den hohen Favoriten nicht nur Genugtuung, sondern auch bitter nötig. In der durchwachsenen Saison hatte der zehnmalige Deutsche Meister viele Aufs und Abs zu quittieren. Allerdings mussten die Berliner mit zahlreichen Verletzungen kämpfen und immer wieder den Spagat zwischen der nationalen Meisterschaft und der Champions League bewältigen, bevor im März endlich die Playoffs um den Titel beginnen.

Hans-Christian Moritz
Stand: 25. März 2021

 

 

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